Werte Lesende,
vollkommen fassungslos und erbost betrat Fürst Leon Blaustahl von und zu Lentia an der Donau die Kabinen des königlichen Fußballstabs nach der bitteren Niederlage gegen die kleine Mannschaft des FC_Heineken. Der Fürst hatte schon längst mit einem Weiterkommen gerechnet, doch die Spielermannen wurden übertrumpft. Unsägliche Ungeheuerlichkeiten, die durch bloße sportphilosophische Anschauungen ja gar nicht erklärt werden können und die Missgunst des Schiedsrichterstabs ließen der Mannschaft keinen Raum, das gewohnt würdige Spiel zu eröffnen.
Nun, nach Runde Sechs, stehen die königlichen Wappensträger der blauen Fahne auf dem ersten Platze. Nach den ebenso unwirtlichen Schäden der vergangenen Saison und dem darauf erfolgten Wechsel des Übungsleiters zugunsten des Neuen (Lode Defrancq) konnte man in der Offensive ganz prächtige Verbesserungen erkennen. All dies gipfelte in der Tatsache, dass die Mannschaft nun ungeschlagen auf dem Podeste zu stehen vermag. Freilich kein Ding der langen Frist: Mit dem schwarzen Arsenal aus Wien hat sich abermals ein Geldadeliger den Ziel des Aufstiegs gesetzt. Mit einem Stolpern der Prunktruppe ist zwar nicht zu rechnen, jedoch soll der gegnerischen Mannschaft kein Geschenk vorgebracht werden.
Fürst Leon Blaustahl von und zu Lentia an der Donau begründet dies vor der Mannschaft wie folgt: “Was die Truppen der werten Chisi erreicht haben, das vermag doch bittlichst auch den Unseren zu gelingen.” Schnell ward es im Umkleidezimmer unruhig geworden. Der Fürst erwarte viel zu viel, flüsterte mann sich zu, sobald der Fürst seine Blicke schweifen ließ. Einzig Michał Goździcki, seines Zeichen noch ein Neuling der königlichen Mannschaft und mit den höflichen Gepflogenheiten nur spärlichst vertraut, trat mit blankem Hinterteil aus den Waschräumen, staunte ob der großartigen fürstlichen Lockenpracht und sprach: “Die knacken wa schon, Chef… Mörderafro, find ich knorke!” Während die Mannschaft furchterregt erstarrte, ergriff der Fürst sogleich ein Handtuch, drehte es, schnalzte es auf das immer noch nackte Gesäß des deutschen Muskelmannes, lächelte in die Runde und verließ wortlos den Raum.




